Porträt einer Zeit - Anna Achmatowas lyrisches Werk

Translated by Mareen Bruns
 
Im Januar 1940 schreibt Anna Achmatowa folgendes Gedicht:

Wenn ein Mensch stirbt,
verändert sich sein Porträt.
Der Blick wird anders, die Lippen
lächeln ein anderes Lächeln.
Einmal bemerkte ich es, auf dem Rückweg
von der Beerdigung eines Dichters.
Seither achte ich darauf,
und es hat sich oft bestätigt.
 
Dieses Gedicht könnte als Motto für Achmatowas Leben und Werk stehen – in ihrem Umfeld sterben viele, und nicht immer kann sie ihnen die letzte Ehre erweisen, denn sie haben kein Grab. Anna wird selbst zur Graveurin, sie dichtet Epitaphe, kunstvolle Grabinschriften, in denen der Tote erinnert und verehrt wird. Wir finden Gedichte an ihre ermordeten Dichterbrüder – Mandelstam, Narbut, Pilnjak, verbotene Namen, verbotene Werke im Russland der Stalinzeit – aber auch an ihre Dichterschwester – Marina Zwetajewa, die 1941 aufgibt und sich das Leben nimmt. „All diejenigen, die kein Grab bekommen haben, ich habe sie beweint“ – Achmatowa erscheint als die große Klagende der russischen Lyrik.

In der russischen Folklore ist das Klagelied für die Toten (pritschitanije) ein eigenes Genre. Die Weinenden der Bauernkultur, pritschitatel’nizy – „lesen den Toten vor, lesen für die Toten“ und drücken so die Trauer der Hinterbliebenen aus. Achmatowa wird zu so einer pritschitatelniza.
 
Anna Andrejewna Gorenko (den Namen Achmatowa hat sie von ihrer Großmutter, einer tatarischen Fürstin) wurde im Juni 1889 (am 11. Juni nach dem Julianischen Kalender / also am 23-24. Juni nach dem gregorianischen Kalender) buchstäblich am Strand des Schwarzen Meers geboren, im Sommerhaus der Familie. Der Vater Andrej war Offizier in der Schwarzmeerflotte, die Familie wohnte in Odessa.
Aber nicht das Meer, der Strand oder die Sonne des Südens werden bei Anna zu Orten der Poesie, zum locus poesis. Als sie zwei ist, zieht die Familie nach Zarskoje Selo um (finnisch Saarsalo, welches bei Derschawin, einem Dichter des 18. Jahrhunderts, noch Sarskoe selo hieß), einer Vorstadt von Petersburg, der Vater war zur Handelsflotte gewechselt und hatte eine Anstellung in der Stadt bekommen. Zarskoje Selo wird in Amatowas Gedicht zum „Park des Zaren, in all seinem Überfluss“, dort gibt es das Sommerschloss der Kaiserin Katharina, das Lyzeum, das hundert Jahre zuvor der Dichter Puschkin besucht hatte und dort stehen antike Statuen an den Flussufern, noch immer die gleichen wie zu Puschkins Zeit.
Hier in der „Umfriedung von Zarskoje Selo“ tritt Anna in die Welt der Literatur ein – in der Gegenwart begegnet sie der Vergangenheit.
 
Die symbolistische Lyrik ihrer Zeit ist ihr fremd, aber sie findet unerwartet einen Seelenverwandten im Dichter Innokenti Annenskij, der auch der Direktor für das Lyzeum Zarskoje Selo ist. Sein postum herausgegebener Sammelband „Der Zypressenschrein“ (Kiparissowyj larez), der 1910 erscheint, ebnet den Weg für eine neue Poetik: Die Dinge sind, was sie sind und verweisen nicht auf etwas Anderes, „Jenseitiges“. Aber in den Dingen ist die Gegenwart der Menschen enthalten, die mit ihnen in Kontakt getreten sind, die Dinge werden zu Bewahrern von Erinnerung.
Achmatowa führt konkrete Details in ihre Gedichte ein, die nicht als Symbole verwendet werden, sondern ihre Wirklichkeitsverankerung behalten. In ihrem frühen Gedicht „Lied“ (1911) ist das Unkraut, Gartenmelde, just Melde (Lebeda):

Bei Sonnenaufgang
singe ich von der Liebe,
auf Knien im Gartenland
reiß ich die Melde raus.

Ich rupfe sie aus, werfe sie fort –
möge sie mir verzeihen.
Am Gartenzaun steht ein Mädchen 
barfuß, es weint.

In ohrenbetäubender Lautstärke ruft es seine Klage,
sodass ich mich beeile.
Stark ist der Geruch von welkender Melde,
warm noch, von Sonne und Leben.  

Brot bekomme ich nicht, nur Steine,
so schlecht ist mein Los.
Über mir ist nur der Himmel
und in mir deine Stimme. 

 
Achmatowa stellt das Unkraut und das barfüßige Mädchen nebeneinander. Just diese Kombinationen, bei denen ein bestimmter Bewusstseinszustand ausgedrückt wird, werden einmal ihr poetisches Markenzeichen sein. Die Zusammenstellungen sind oft unerwartet und die Verbindung entsteht erst durch die Deutung des Lesers.
 
Achmatowa ist nicht die Einzige, die die konkrete Wirklichkeit in die Poesie einführt. In Ossip Mandelstams erster Sammlung ‚Kamen‘ (Stein), wird der Dichter als Maurer betrachtet. Das Gedicht wird Stein für Stein gebaut, Mandelstam besingt die Kirchen Notre Dame, Hagia Sofia, als spirituelle Materie. Achmatowa und Mandelstam gehören beide zu einer Dichtergruppe in Petersburg, die von Annas Mann Nikolaj Gumiljow geleitet wird. Die Gruppe nennt sich Akmeisten (grek. akme: der höchste Punkt, Zenit, Blüte). Zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt (im März 1944) schreibt Achmatowa über „die Kinder ihrer Zeit“, die diesen höchsten Punkt nie erreicht haben, über all diejenigen, die nie „angekommen sind“, über den Kreis um sich selbst herum, aber auch über viele andere.

Kinder meiner Zeit
nie haben sie Honig bekommen. Und jetzt
heult der Wind dort hinten,
singt zur Erinnerung an die Toten.
Bei uns wurde nichts vollendet
und unsere Stunden waren gezählt.
Bis zum Ort, an dem sich die Wasser teilen,
wo die Frühlingsblumen am reichsten blühen,
dorthin war es nur ein Atemzug…
Aber schrecklich war der Weg, den wir wandern mussten
im Schein zweier Kriege.
 

Manchmal wird die Zeit vor 1914 als eine fröhliche und leichte Zeit beschrieben, die russische Kunst blüht, das Theater wird erneuert, in Petersburg zeigen sie Kabarette sowie „Der herrenlose Hund“ (Brodataja sobaka), es ist Karneval – wie vor der Fastenzeit. Und die Fastenzeit kommt – im August 1914.
„Ich nahm Abschied vom ‚wilden Mädchen‘ als ich die eisenbeschuhten Schritte des Krieges hörte“ sagt Achmatowa. Früh erkennt sie Zeichen des Untergangs. Sie besucht das Anwesen der Gumiljows im Gouvernement Twer und hört die Klagerufe der Bauernfrauen, als die Männer zum Krieg eingezogen werden. Intensiv erlebt sie diese Zeit durch ihre Gedichte. 1915 schreibt sie:

Wir dachten: Wir sind arm, wir haben nichts.
Als wir dann alles verloren, eins nach dem anderen,
da wurde jeder Tag
ein Gedenktag –
und wir begannen Lieder zu singen
von Gottes großer Gütigkeit
und von unserem verlorenen Reichtum.

 
Je länger der Krieg andauert, desto mehr Abschiede gibt es, von den Gefallenen, von jenen, die Petersburg verlassen, als die Versorgung knapp wird, die Unruhen und die Brotschlangen wachsen.
Das Ende einer Ära beschreibt Achmatowa im Gedicht PETROGRAD 1919 – ein Porträt der Stadt und des Lebens dort.1

Eingesperrt in eine verwilderte Stadt
vergessen wir für immer
die Steppen, die Seen, die Städte
und die Himmelsröte in unserem großen Land.
Umgeben von Blut
werden wir immer matter
mit jedem Tag der Grausamkeit…
Will uns niemand helfen?
Weil wir geblieben sind,
weil wir unsere Stadt so geliebt haben
und weil wir nicht auf freien Flügeln fortgeflogen sind.
Weil wir hier geblieben sind.
Weil wir hier etwas für uns bewahrt haben
den Palast, das Feuer, das Wasser.

Es nähert sich eine andere Zeit
und das Herz erkaltet vom Hauch des Todes.
Und wie ein Grabstein über uns
bettet sich Petri Stadt. 

Ihre Freunde und Verwandten sind überall in Russland verstreut, einige haben sogar das Land verlassen – Achmatowa kann Russland nicht verlassen, ihr Sohn Lew, 1911 geboren, lebt bei seiner Großmutter in Twer.  
Die russische Kultur liegt in Scherben, aber noch, zu Beginn der Zwanziger Jahre heinein, lebt sie.
Der Prosaautor Samjatin bleibt, er leitet eine Autorenschule, in der auch Michail Soschtschenko studiert, neue Autoren treten in die Öffentlichkeit – Boris Pilnjak, Isaak Babel. Die Lyriker Mandelstam und Pasternak bleiben im Land, sie möchten ihren Platz in der „neuen Zeit“ finden. Majakowski flicht sich in seinen Gedichten ein Seil um den Hals, ohne es zu verstehen. Jessenin bringt sich um, vor lauter Trauer und Verwirrung – die Revolution hat nur den Tod mit sich gebracht, sein Bauern-Russland geht bald darauf unter.
Anna Achmatowa spricht jetzt schon für viele mehr als nur für sich selbst: Im Land herrscht Bürgerkrieg – viele Frauen „nähen bitter neue Kleider“ – Leichentücher für ihr Männer. Im August 1921 schreibt sie:

Du durftest nicht leben,
dich aus dem Schnee erheben.
Achtundzwanzig Stiche,
fünf Kugeln im Körper.
Bitter nähe ich
dem Freund neue Kleidung.
Blut, Blut liebt
die russische Erde.

 
Achmatowa ist bemüht sich die neue Sprache, die Sprache des Regimes, nicht anzueignen.
Sie hat einen schweren Schlag erlitten, als ihr erster Mann und der Vater ihres Sohns Lew, Nikolaj Gumiljow verhaftet und ohne Verhandlung im August 1921 erschossen wird, zu Unrecht angeklagt für Anstiftung zum Aufruhr.
 

Der Herbst weint wie eine Witwe,
schwarzgekleidet, das Herz in Dunkelheit gehüllt…

Sie geht die Worte des Mannes durch
und schluchzt ununterbrochen.
Und so bleibt es bis ein leiser Schnee
sich der müden Trauernden erbarmt…
Berührungen zu vergessen
und Schmerz
ist nichts Geringeres, als sein Leben zu geben.
 
Achmatowa kann Kolja nicht begraben, ihren Kindheitsfreund aus Zarskoje Selo, ihren Dichterbruder bei den Akmeisten, den Vater ihres Sohnes Lew – keiner weiß, wo die Bolschewiken den Körper verscharrt haben, „irgendwo außerhalb der Stadt“, in Richtung der Ochta…
Aber in jedem August wird Achmatowa sich an den Toten erinnern und an dem Tag, an dem Gumiljow fünfzig geworden wäre, am 15. April 1936, schreibt sie „Beschwörung“ (Zaklinanie), nach einem Muster aus der russischen Volksdichtung:

Durch die Hohe Pforte
Durch den finnischen Sumpf
Längs unbegangener Pfade
Über ungeschlagene Mark
Durch nächtliche Sperren
Zum Kirchglockenklang
Ungeladen
Ungebunden
Komm zu mir heute Abend. 
 

Из высоких ворот,
Из заохтенских болот,
Путем нехоженым,
Лугом некошеным,
Сквозъ ночной кордон,
Под пасхалъный звон,
Незваный,
Несуженый, –
Приди ко мне ужинатъ.
 
Gumiljow liegt nicht in geweihter Erde, er ist ein Geist, einer der nicht ruhen darf und jetzt will sie ihn zu sich einladen. Im russischen Volksglauben kann die Grenze zwischen den Toten und den Lebenden zu bestimmten Zeiten aufgelöst und überschritten werden. Eine solche Zeit ist Neujahr, zwölf Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, und Achmatowa hat bereits 1923 ihre toten Freunde zu einem Fest geladen:

Neujahrsballade

Ein trüber Mond zwischen finsteren Wolken
sieht mit grimmigem Blick zu mir her.
Für sechs Gäste hab ich gedeckt,
aber ein Platz am Tisch bleibt leer.

Wir begrüßen das neue Jahr, 
mein Mann, meine Freunde und ich.
Warum fühlen sich meine Finger blutig an,
warum brennt der Wein wie Gift?

Da erhebt der Gastgeber sein gefülltes Glas
mit steifer und ernster Miene:
„Ich trinke für die geliebten Wiesen und Felder,
für die Erde, in der wir nun liegen.“

Und ein Freund sah mir direkt ins Gesicht
und erinnerte sich, Gott weiß, was es war,
aber er rief aus: „Und für ihr Gedicht,
in dem wir alle noch immer leben!“ 

Aber ein dritter, der gar nichts wusste,
als er sein irdisches Leben verließ,
sagte als Antwort auf meinen Gedanken:
„Lasst uns trinken, auf diejenige in unserem Kreis
die uns noch fehlt.“ 
 

Das Gedicht wurde 1924 in einer Literaturzeitschrift abgedruckt und von diesem Zeitpunkt an von nun an wird Achmatowa nicht mehr gedruckt – nichts war der damaligen optimistischen Parolen-Literatur fremder als dieses Totenbier und natürlich Achmatowa als „Gumiljows Witwe“ – wir „begrüßen das neue Jahr, mein Mann, meine Freunde und ich“. Auch ohne die Nennung von Namen haben die Kettenhunde des Regimes den verbotenen Namen GUMILJOW im Gedicht erschnüffelt.
 
Da erhebt der Gastgeber sein gefülltes Glas
mit steifer und ernster Miene:
„Ich trinke für die geliebten Wiesen und Felder,
für die Erde, in der wir nun liegen.“
 
Achmatowa fühlt sich immer fremder in dem neuen Staat.
In der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre „kommen die Gedichte nicht zu ihr“. Da wendet sie sich an ihn, der sie bereits auf den schattigen Parkwegen in Zarskoje SeloZarskoje Selo inspiriert hat – PUSCHKIN. Aber diesmal erschafft sie keine Gedichte, sondern erforscht Leben und Werk des Dichters. Mit ihrer europäischen Bildung vermag sie es, Puschkin im Kontext seiner Gegenwart zu sehen, in der der französische Schriftsteller Benjamin Constant ebenso präsent gewesen ist wie ein russischer Dichter. Achmatowa entnationalisiert Puschkin, sie führt ihn in jenen europäischen Kulturzusammenhang ein, in dem die russische literarische Elite seinerzeit lebte. Die Erforschung Puschkins wird zu einer Hommage an ein kulturelles Milieu, das untergegangen ist. So wie ganz Zarskoje Selo:

Die Weidenblätter sind längst vertrocknet
aber in Gedichten glänzen sie wie Silber.
Verwilderte Rosen wurden zu purpurfarbenen Hagebutten 
Die Weidenblätter sind längst vertrocknet
aber in Gedichten glänzen sie wie Silber.
Verwilderte Rosen wurden zu purpurfarbenen Hagebutten
und die Gesänge der Schule bestärken uns noch immer.
Ein halbes Jahrhundert ist vergangen… Heimgesucht von einem seltsamen Schicksal
habe ich im Alltagsnebel den Lauf der Jahre vergessen…
Ich kehre nicht dorthin zurück! Aber mit mir über das Wasser der Lethe
nehme ich die lebendigen Konturen von Zarskoje Selo.
 
Die Dreißiger Jahre werden für Achmatowa – sowie für Tausende und Abertausende – ein Jahrzent des Schreckens, in dem Menschen willkürlich, aufgrund von Quoten und Listen, festgenommen werden, und in dem Misstrauen und Spitzelei die hysterische Stimmung anfachen. Während andere bereits beginnen, den Halt zu verlieren, unter ihnen der Dichterbruder Mandelstam, schafft es Achmatowa, einen kühlen Kopf zu bewahren und sogar ihren poetischen Sinn am Leben zu erhalten.
Während der Jahre 1935-40 schreibt sie REQUIEM, eine Erinnerungsmesse für all diejenigen, die in Gefängnissen und Lagern verschwinden. Der Zyklus kann erst 1962 aufgeschrieben werden. Im sowjetischen Russland wird er 1987 zum ersten Mal herausgegeben.

1935 wird Achmatowas Sohn Lew zusammen mit Nikolai Punin, ihrem damaligen Lebensgefährten, festgenommen. Nachdem Achmatowa es schafft, Stalin durch Bekannte des Schriftstellers Pilnjak einen Brief zu übermitteln, werden beide freigelassen. Aber 1938 wird Lew erneut festgenommen und Achmatowa schreibt in „Requiem“:

Siebzehn Monate rufe ich bereits,
ich bitte dich, komm nachhause. 
Ich habe mich dem Pöbel vor die Füße geworfen,
du bist mein Sohn, meine ständige Furcht.
Alles ist ein Wirrwarr
und ich kann nicht auseinanderhalten
wer ein Wildtier ist und wer ein Mensch
und wann die Strafe verhängt werden soll.
Hier gibt es nur staubige Blumen
und klingende Räuchereichen,
die Spuren führen nirgends hin.
Aber genau über mir stiert
mit seinem Untergang drohend
ein riesiger Stern herab.

Nein, ich bin es nicht, es ist jemand anderes, der leidet.
Ich hätte es nie durchgestanden, und das Geschehene
kann schwarz verhüllt werden
und die Laternen können fortgenommen werden…
Die Nacht ist da.

Ich habe gesehen, wie Gesichter zerstört wurden,
wie der Schrecken unter Augenlieder kriecht,
wie der Schmerz mit seiner Keilschrift
in glatte Wangen schneidet, ich habe
schwarze Locken gesehen, die zu Silber ergrauten.
Hoffnungslos erlischt das Lächeln auf den Lippen
und in trockenem Lachen zittert Furcht.
Und ich bitte nun für andere als mich selbst,
für all diejenigen, die neben mir dort gestanden haben,
in bitterer Kälte, in der Julihitze
an Krestys roter blinder Mauer.

Kresty heißt das Gefängnis mitten in Petersburg, am Ufer der Newa. Es ist in Kreuzform erbaut – daher der Name2.
Im März 1940 schreibt Achmatowa die letzten Zeilen von „Requiem“:
 
Wieder nähert sich die Gedenkstunde,
ich sehe euch, höre euch, fühle euch bei mir:
sie, die kaum zur Tür gehen konnte,
und sie, die bei uns eine Fremde war,
und sie die ihren Kopf schief gelegt hat
und gesagt hat: „Das hier ist wie mein Zuhause“.
Sie alle möchte ich beim Namen nennen,
aber die Liste ist fort und keiner weiß wo.
Darum webe ich ein schützendes Leichentuch aus Worten,
jenen armen Worten, die ich sie sagen hörte.
Ich erinnere mich immer und überall
und vergesse sie nie, selbst im Augenblick des Unglücks nicht,
Und bedeckt man auch mir den geplagten Mund
der spricht
für hundert Millionen,
so sollen sie ihrerseits mein Andenken feiern
am Abend vor meinem Todestag.
Und kommt jemand in diesem Land auf den Gedanken
zur Erinnerung an mich ein Denkmal zu errichten,
dann gebe ich meine Erlaubnis unter Vorbehalt:
Es soll nicht stehen, wo ich geboren wurde,
mit dem Meer verbindet mich nichts,
mein letztes Band ist längst zerrissen,
und nicht bei den Baumstümpfen im Park des Zars,
wo der Schatten mich noch trostlos sucht,
nein, hier soll es sein, wo ich gestandenhabe,
dreihundert Stunden vor der verschlossenen Pforte.
Denn ich fürchte, dass ich in meiner Seligkeit
das Gebrüll der Bereitschaftspolizisten vergessen könnte,
das furchtbare Geräusch, wenn die Tore zugeschlagen wurden,
wie der Alte schrie gleich einem verletzten Tier.
Und von den versteinerten Wimpern meiner Büste
soll der geschmolzene Schnee rinnen wie Tränen
und die Gefängnistaube soll in der Ferne gurren
und die Schiffe sollen still mit den Wellen der Newa gehen.

Nur wenige Menschen kennen „Requiem“. Lidija Tschukowskaja, Achmatowas Vertraute während dieser Jahre, deren Mann ebenfalls festgenommen wurde, ist eine von ihnen. Annas Sohn ist zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt worden, Lidijas Mann zu zehn Jahren „ohne Recht auf Briefverkehr“. Keiner weiß zu diesem Zeitpunkt, dass dieser Zusatz Todesstrafe bedeutet, Erschießung. Tschukowskaja ist diejenige, die „Requiem“ in ihrer Erinnerung aufbewahrt so wie viele andere Gedichte, die Achmatowa nicht wagt, auf Papier niederzuschreiben.
Achmatowas Dichterbrüder verschwinden. 1936 hat sie Mandelstam, den „in Ungnade gefallen Dichter“ besucht, der nach Woronesch verbannt worden ist – er schreibt noch, aber „Schreck und Muse wachen abwechselnd bei ihm, die Nacht vergeht, aber eine Dämmerung ist nicht zu erwarten“. 1938 wird Mandelstam erneut verhaftet und stirbt noch im selben Jahr in einem Lager außerhalb von Wladiwostok, verwirrt, ausgezehrt.
Aber das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Und eben diese Ungewissheit ist am schlimmsten.
1938 schreibt Achmatowa auch ein Gedicht an den Schriftsteller Boris Pilnjak. Bei einem Treffen „auf einem Liliensteg“ in Peredelkino außerhalb von Moskau hatte Pilnjak Achmatowa gebeten, ein Gedicht für ihn zu verfassen. „Alle anderen haben Gedichte erhalten, warum bekomme ich keines?“
Als sie es schreibt, ist Pilnjak bereits verhaftet worden und niemand weiß, was mit ihm geschehen ist:

Vielleicht kannst nur du es deuten…
Wenn die Dunkelheit schlaflos um dich braust,
dann trifft mit einem Mal ein Keil aus Sonne und Lilien
geradewegs in die schwarze Dezembernacht.
Auf dem Pfad kommst du mir entgegen
und lachst hell und sorgenlos.
Aber der Nadelwald und die Schilfbüschel in den Teichen
antworten mit einem eigenartigen Echo…
Ich erwecke doch wohl niemanden von den Toten?
Verzeih mir bitte, ich kann nicht anders:
Ich trauere um dich, als gehörtest du zu mir,
und werde von Neid gepackt, wann immer ich jemanden weinen höre.
Weinen zu können in dieser schrecklichen Zeit,
die in Gruben Hinabgeworfenen zu beweinen…
Aber noch bevor Tränen die Augenwinkel erreichen,
ist die Flüssigkeit verdunstet — zurück bleibt kein kühles Nass.
  
Aber es ist nicht nur Pilnjak, der „in eine Grube hinabgeworfen wurde“ und auf diese Weise reicht das Gedicht langsam über das Persönliche hinaus, legt Zeugnis ab für ALLE DIE KEIN GRAB HABEN.

In der Zeit vor 1917, als sie beide das höchste Ansehen genossen, trafen die beiden Dichterinnen Anna Achmatowa und Marina Zwetajewa seltsamerweise nie aufeinander. Achmatowa wirkte in Petersburg. Marina war eine Moskauer Dichterin. Viele ihrer Gedichte handeln von der Stadt. Dieses ist aus dem Jahr 1916:

Облака – вокруг,
Купола – вокруг.
Надо всей Москвой
– Сколько хватит рук!
...
В дивном граде сем,
В мирном граде сем,
Где и мертвой мне
Будет радостно –
 
Wolken rundum
Kuppeln rundum
Über ganz Moskau
Ein ganzes Armvoll
...
In dieser denkwürdigen Stadt
In dieser friedlichen Stadt
werde ich froh mich betten
in mein Grab.
 
So kommt es nicht.
Marina war bereits frühzeitig auf Achmatowa aufmerksam geworden und im selben Jahr, 1916, hat sie ihr einen ganzen Zyklus (10 Gedichte) gewidmet:
 
O du, Muse der Wehklagenden, allerschönste!
O du, weißer Nächte kühner Dunst!
Du sendest einen Schneesturm über die Rus
und dein Schluchzen dringt in uns wie Pfeile.

О муза плача, прекраснейшая из муз!
О ты, шалъное исчадие ночи белой!
Ты черную насылаешъ метелъ на Русъ,
И вопли твои вонзаются в нас как стрелы.
 
Aber Zwetajewa verlässt Russland im Jahr 1922. Sie reist ihrem Mann hinterher, Sergej Efron, der auf der weißen Seite des Bürgerkriegs gekämpft hat. 1939 kommt sie mit ihrem Sohn Georgij zurück, wieder in den Fußspuren ihres Mannes. Sergej Efron ist erwungenermaßen zurückgekehrt. In Paris vom sowjetischen Sicherheitsdienst angeworben, ist er in den Mord an einem früheren Agenten verwickelt. Bei sich hat Sergej die Tochter Ariadna. Bereits im Juni 1939 werden Mann und Tochter jedoch festgenommen (Sergej Efron wird bald darauf erschossen) und auch Marinas Schwester Anastassija befindet sich im Arbeitslager. Alle wenden sich erschreckt von Zwetajewa ab, wie von einer pestverseuchten „weißen Emigrantin“, und ihre Angehörigen werden verhaftet.
In dieser Situation begegnen Achmatowa und sie sich im März 1940 zum ersten und einzigen Mal, und Anna Achmatowa schreibt das Gedicht „Späte Antwort“:

Scherzende, unsichtbare Doppelgängerin,
wo versteckst du dich im schwarzen Unterholz,
zwängst dich in den zerstörten Starenkasten,
hüpfst umher auf umgefallenen Kreuzen
und rufst laut von Marinkas Turm:
„Heute bin ich nach Hause zurückgekehrt,
hört her, ihr geliebten Äcker und Felder,
was in meinem Leben geschah.
Meine Liebsten sind in den Abgrund gestürzt
und mein Elternhaus ist zerstört.“
Jetzt wandern wir, Marina,
im nächtlichen Moskau
und uns folgen Millionen,
ein stilles und bettelndes Volk.
Es läutet zum Begräbnis,
es donnert vom Geheul des Sturms
und unsere Spuren verschwinden
im Treiben des wirren Schnees.

Die Zeile „rufst laut von Marinkas Turm“ verweist auf den Turm im Kreml, in dem die Polin Marina Mniszek während der Unruhen im 17. Jahrhundert eingesperrt gewesen ist. Marina Zwetajewa hat viele Gedichte an und über Marina Mniszek geschrieben – sowohl bewundernd als auch kritisch, weil sie unerschütterlich Dimitrij folgt, auch „der Falsche Dmitrij“ genannt, von dem sie glaubt, dass er der rechtmäßige Machthaber ist.
Als Zwetajewa im Sommer 1941 aus Moskau evakuiert wird und im gottverlassenen Jelabuga landet, hält sie es nicht länger aus und nimmt sich im August das Leben. Ihr Grab ist unbekannt.

Achmatowa hat erzählt, wie die Gedichte 1940 nur so durch sie „gerast sind“. Das lange apokalyptische Gedicht Um die ganze Welt ist im März 1940 „in einem einzigen Atemzug“ entstanden, als die sowjetischen Truppen in Wiborg eingefallen sind. Später wird Achmatowa ein Gedicht schreiben, Wiborg gewidmet, ein Gedicht, das ein Porträt der Stadt und des Winterkrieges ist.

In Wiborg

Eine gewaltige Unterwassertreppe
ist das Tor zu Neptuns Reich –
der Schatten von Skandinavien versteinert –
alles erscheint wie in einer einzigen blendenden Vision.
Der Gesang schweigt, die Musik verstummt,
aber die Luft brennt vor Wohlgeruch,
und weiß liegt der Winter auf den Knien
und beobachtet alles im aufmerksamen Gebet.

Im September 1941 herrscht Panik in Leningrad. Viele erwarten schon, dass die Stadt den vorrückenden deutschen Truppen in die Hände fällt. Radio Leningrad möchte eine Botschaft an die Welt draußen senden: Unsere Stadt gibt nicht auf. Wer möchte sprechen? Es sind die ausgeschlossenen, die aus dem Kulturleben verbannten – Achmatowa und Dmitrij Schostakowitsch – die sich mutig zu Wort melden.
Über Schostakowitschs Musik und deren Bedeutung für sie schreibt Achmatowa 1957.

Musik
Sie brennt wie ein Wunder
und blitzt vor Facetten.
Sie spricht allein mich an
während andere sich nicht trauen, sich mir zu nähern.
Als der letzte Freund seinen Blick abgewandt hat
war sie bei mir am Grab
und sang wie das erste Frühlingsgewitter,
dem alle Blumen ihre Stimmen verliehen hatten.
 
Schostakowitsch war 1948 einem harschen Angriff durch denselben Politruk Schdanow ausgesetzt gewesen, der 1946 Achmatowa angegriffen und bekämpft hatte.
Während des Krieges war die Zensur gelockert worden und Achmatowa hatte sich äußern dürfen – wenn auch sehr begrenzt. Einen Bruder im Unglück erhält sie 1946 in dem Schriftsteller Michail Soschtschenko, der mit seinen kurzen, humorvollen Erzählungen das sowjetische Alltagsleben dokumentiert, insbesondere die neue sowjetische Sprache – mit unerhörtem Erfolg bei den Lesern. Man kann sich fragen, ob es sein Erfolg war, die Beliebtheit bei seinen Lesern, die den Politruk Schdanow verleitete, Achmatowa und Soschtschenko zu seinen Opfern auszuwählen. Sie schreiben „ideologisch schädliche Werke“, befindet die Partei. Achmatowa empfängt den neuen Schlag mit gebeugtem Kopf, Soschtschenko bleibt für die nächsten zwölf Jahre ein stummer Schriftsteller, bis zu seinem viel zu frühen Tod 1958, im Alter von 63 Jahren. Achmatowa ist eine der wenigen, die ihm das letzte Geleit gibt – auf dem Dorffriedhof von Sestrorezk3 auf der Karelischen Landenge.

Ich lausche einer fernen Stimme
Aber hier ist niemand, nichts.
Ich lausche einer fernen Stimme
Aber hier ist niemand, nichts.
Sein Körper wird in die Erde gebettet,
die gute schwarze Erde.
Weder Granit noch Trauerweide
bekümmert seine flüchtige Asche.
Aber aus der Bucht bläst ein Wind
und weint um ihn.
 
Im Unterschied zu Soschtschenko verstummt Achmatowa nach 1946 nicht als Dichterin, auch wenn sie ihren Lebensunterhalt als Übersetzerin verdienen muss. 1946, im Jahr der Festnahme ihres Sohnes Lew, verbrennt sie ihr eigenes Archiv, ihre Manuskripte, während sie darauf wartet, ebenfalls festgenommen zu werden. Die Jahre 1948 – 1953 werden ebenso schlimm wie die Dreißiger Jahre.
Als Stalin stirbt und Chruschtschow an die Macht kommt, öffnen sich jedoch die Pforten der sowjetischen Lagerwelt, des Gulag. Auch Achmatowas Sohn Lew kehrt 1956 heim – insgesamt ist er 14 Jahre in Gefangenschaft gewesen, weil er den Namen seines Vaters, Lew Nikolajewitsch Gumiljow trägt. Bei vielen entzündet sich 1956 die Hoffnung, dass man nun freier werde atmen können. Schostakowitschs Musik kann wieder aufgeführt werden. Achmatowa darf 1958 eine kleine Gedichtsammlung herausgeben. Aber die Gedichte der Dreißiger Jahre sind darin nicht enthalten, auch „Requiem“ nicht und keines der späteren Gedichte. Selbst die früheren Gedichte sind gekürzt, Inschriften oder Widmungen kommen darin nicht vor. Achmatowa schreibt 1955:

Unter dem brodierten Tuch
ist der Tisch nicht zu sehen.
Ich war nicht die Mutter der Gedichte,
ich war ihre Stiefmutter.
Weiße blanke Seiten,
gleichmäßige Reihen von Versen!
Oft sah ich sie brennen,
gekürzt durch die Petzen,
geschlagen von Peitschen,
vernarbt, vernarbt
wie die Rücken der Gefangenen.

EIN Dichterbruder, der Achmatowa nahesteht, hat die Stalinzeit ohne Festnahme überstanden – Boris Pasternak. Aber jetzt, da man glaubt, dem Schlimmsten standgehalten zu haben, trifft es auch ihn. 1958 beschließt die Schwedische Akademie, ihn mit dem Nobelpreis auszuzeichnen. Der Roman „Doktor Schiwago“ ist in Italien erschienen. Pasternak ist der unmittelbaren Verfolgung durch die sowjetischen Massenmedien ausgesetzt:
28. Oktober, Literaturnaja Gazeta: „Internationale reaktionäre Kräfte treffen eine provozierende Fehlentscheidung“. Die Wahl der Schwedischen Akademie wird als Provokation gegenüber der gesamten Sowjetunion wahrgenommen. Pasternak sieht sich gezwungen, den Preis abzulehnen, andernfalls so droht man ihm, müsse er Russland für immer verlassen. Das Ereignis trifft ihn schwer und er stirbt im Mai 1960. Achmatowa, die selbst im Krankenhaus liegt, schreibt ein Epitaph, ein Porträt des Dichters:

Eine Stimme, unnachahmlich, ist gestern verstummt
und er, der mit den Wäldern sprach,
hat uns verlassen.
Er war die Weizenähre, die uns Leben gab,
der stille Regen, den er besang.
Und alle Blumen der Welt
schlugen aus bei seinem Tod.
Doch blieb es still auf unserem Planeten
mit dem anspruchslosen Namen – Erde.
 
Wiedergutmachung erfährt Achmatowa erst wenige Jahre vor ihrem Tod. 1963 wird ihr „Requiem“ in einem Emigrantenverlag im Westen publiziert, allerdings ohne ihre Erlaubnis. Erst ein Jahr zuvor war es aufgezeichnet worden (nachdem es zwanzig Jahre lang in der Erinnerung aufbewahrt worden war). 1964 erhält Achmatowa einen großen Lyrikpreis in Italien und die Erlaubnis, hinzureisen, um ihn in Empfang zu nehmen – es sind zweiundfünfzig Jahre vergangen, seit sie Italien zuletzt besucht hat. Auch ihre Reise nach Oxford 1965, wo sie die Ehrendoktorwürde erhält, erfolgt „im letzten Moment“.
Das Kulturleben in Russland wird bald von einer neuen Eiszeit eingeholt und die Verhaftungen beginnen erneut (die Schriftsteller Sinjawskij und Daniel). Auch für Achmatowa persönlich ist es einer der letzten Momente. Sie hat mehrere Herzinfarkte gehabt. Im September 1964 stirbt ihre Kindheitsfreundin Walerija Sreznewskaja und Achmatowa schreibt ihr letztes Erinnerungsgedicht, als Abschied von Walerija:

So kann es doch nicht sein,
du warst ja immer da:
Im kühlen Schatten der Linde,
während der Blockadezeit, im Krankenhaus,
in der Gefängniszelle und dort, wo die Vögel bösartig waren,
das Gras hoch und das Wasser furchteinflößend.
Alles verändert sich, aber du warst immer da.
Jetzt ist es, als hätte jemand mir die halbe Seele genommen,
die du einmal warst – und dies war der Nährboden
für etwas sehr Wichtiges. Auf einmal hab ich alles vergessen…
Aber von der anderen Seite ruft deine klare Stimme nach mir
und bittet mich, nicht zu trauern, sondern auf den Tod zu warten
wie auf ein Wunder.
Selbstverständlich! Ich will es versuchen.

Karelische Landenge am 9. September 1964
 

Im Januar 1966 wird Achmatowa wieder ins Botkin-Krankenhaus in Moskau eingeliefert und schreibt folgende Zeilen:
 
Als die Musik aufspielte
erwachte ich – es war Winter.
Und an der Brücke wartend
empfing mich der Tod selbst.
 
Einen Monat später, am 5. März, stirbt sie. Sie ruht unter Tannen auf der Karelischen Landenge im Dorf Komarowo (Kellomäki), unweit vom Dorf Raivola4, wo 43 Jahre zuvor Edith Södergran begraben wurde.

 

1 Nach seiner Gründung als Sankt-Pieterburch durch Peter den Großen wurde die Stadt bald in St. Petersburg umbenannt, nach dem Apostel Simon Petrus. Als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg wurde der Stadtname 1914 als für „zu deutsch“ befunden und in Petrograd geändert und 1924 in Leningrad, da hier Lenins Oktoberrevolution stattgefunden hatte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 stimmte eine Mehrheit der Bevölkerung für die Rückbenennung in St. Petersburg. (Anm. d. Ü.)

2 Der russische Name „Кресты“ bedeutet „Kreuze“.

3 Sestrorezk (schwed. Systerbäck, finn. Rajajoki) ist ein ehemals selbstständiger Grenzort zwischen Finnland und Russland, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Stadtteil von Petersburg eingemeindet wurde.

4 Der ursprünglich finnische Ort Raivola wurde im Winterkrieg eingenommen und heißt seit der Eingliederung in die Sowjetunion Roschtschino.